| Checker Cruise 
Text: Dieter Losskarn, Fotos: Elke und Dieter
Losskarn
Das New Yorker Büro der Drug Enforcement Agency spürte mit unserem Checker
verdeckt, sprich under cover Drogendealer im Big Apple auf und jagte sie. Und der
kolumbianische Taxiverkäufer Orlando L. sieht aus wie einer, der kleinen Mädchen vor der
Grundschule Kokain verkauft. Ein Typ, von dem man unter normalen Umständen keinesfalls
ein gebrauchtes Auto kaufen würde.
Das Taxi
rollt auf dem Grünstreifen aus. Minuten später Blaulicht und Sirenen von vorne und von
hinten. Ein Wesley-Snipes-Verschnitt steigt mit Tarnanzug und gewaltiger Waffe am Gürtel,
offensichtlich eine 357-er Magnum, aus dem Jeep Cherokee, der andere Polizist fährt einen
eher filmtypischen Chevrolet Caprice Police Cruiser und ist recht kurz mit deutlichem
Bauchansatz. Ich schaue rüber zu Elke. Ihr Blick sagt alles. Keine Zulassung, keine
Versicherung, wir sind geliefert!
In New Orleans flanieren wir mit dem gelben Auto durch
die berühmte Bourbon Street. Die Alkoholgesetze in der Stadt gehören zu den lockersten
in den Staaten. Big Easy.
Das Management streitet es offiziell ab, trotzdem ist
jedem, der eines der Hooters-Restaurants betritt, sofort klar, dass die Kellnerinnen
politisch inkorrekt handverlesen sind. Die Arbeitskleidung ist orange, sehr wenig orange.
Knappe Tops, um die Oberweite einigermaßen in Zaum zu halten, und Miniröcke oder
wahlweise Hotpants, aus denen endlose, in samtglänzendes, transparentes Lycra verpackte
Beine Richtung Nike streben. Hier werden mehr Köpfe verrenkt als bei einem
Chiropraktiker-Kongress.
Wir
kämpfen uns Meile für Meile voran. Draußen hat es fast fünfzig Grad im
selbstverständlich nicht vorhandenen Schatten und im Schritttempo bekommen wir keinen
Fahrtwind ab. Endlich sehen wir den höchsten Punkt, bei zehn Stundenkilometern stottert
der Checker plötzlich. Nein, bitte nicht hier. Ich weiß, das hier ist das Tal des Todes,
trotzdem, kannst du nicht woanders sterben? Mit letzter Kraft quält sich das Auto über
den höchsten Punkt, das Gaspedal ist bis zum Bodenblech durchgetreten, wir sind
patschnass geschwitzt.
Monument Valley mal nicht à la John Ford, sondern Off Duty mit
Checker-Taxi, das im letzten Licht des Tages durch die berühmte Felslandschaft cruist. In
der Ferne beruhigt ein Navajo sein schreiendes Baby mit dem charakteristischen
Heja-heja-heja-Gesang.
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Last updated:
August 05, 2004 |